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Februar 2008

Medical Yatra 2008

Mediziner der „Amerikanischen Gesellschaft Indischer Ärzte in Nord-Ohio“ – AIPNO – reisten zusammen mit einigen Assistenten Mitte Januar in das indische Orissa, um dort während 16 großer Gesundheitscamps in entlegenen Dörfern konkrete und freiwillige ärztliche Hilfe zu leisten - für Menschen, die sich keinen Arztbesuch leisten können. Die Ärzte und ihre Helfer aus den USA bezahlten die Reisekosten übrigens aus eigener Tasche.

Die Vorbereitung

In jedem Dorf wurden Ärzte und Helfer feierlich begrüßt

In jedem Dorf wurden Ärzte
und Helfer feierlich begrüßt

Das so genannte „Medical Yatra“ („Yatra“ heißt Fest) wurde vier Monate lang von unserer lokalen Partnerorganisation Prajnana Mission vorbereitet. In diesem Zeitraum fand die Auswahl der 16 Dörfer statt. Als „Probedurchlauf“ wurden dort vorab kleinere Health Camps mit dem bewährten Ärzteteam der Prajnana Mission veranstaltet, um die örtlichen Gegebenheiten besser kennen zu lernen. Jedem Dorf wurden bis zu 10 weitere Dörfer zugeordnet. Alle teilnehmenden Dörfer stellten ihrerseits freiwillige Helfer für das Medical Yatra bereit.

Im Vergleich zu unseren regulären Health Camps, die sowieso jeden Monat stattfinden, konnten während des Medical Yatra viel mehr Menschen behandelt werden, da ärztliche Spezialisten wie Gynäkologen, Kinderärzte, Internisten, Chirurgen und Pathologen vor Ort waren. Werbung im Vorfeld des Medical Yatra sorgte dafür, dass die Landbewohner informiert wurden, sodass Patienten mit den unterschiedlichsten Gebrechen zu den Camps anreisten, um medizinisch versorgt zu werden.

Die Camps

Ab 20. Januar startete das Medical Yatra. Ab heute sollten täglich eine Woche lang jeden Tag zwei parallel laufende Gesundheitscamps stattfinden. Das amerikanische Ärzteteam samt Helfer teilte sich in zwei Gruppen auf und wurde am frühen Morgen in jeweils einem Bus in das entsprechende Dorf gebracht. Zusätzlich reisten zur Verstärkung Ärzte, Apotheker, Laboranten und Helfer der Prajnana Mission an. Frischgebackene junge Mediziner vom medizinischen Kolleg in Puri fungierten in den nächsten Tagen als Dolmetscher, die von der Regionalsprache Oriya ins Englische und vice versa übersetzten und damit halfen, Missverständnisse zwischen Ärzten und Patienten zu vermeiden.

Anstehen für die Registrierung

Anstehen für die Registrierung

Ab 20. Januar startete das Medical Yatra. Ab heute sollten täglich eine Woche Die Temperaturen sind im indischen Winter morgens recht kühl, doch im Laufe des Tages wird es in der Regel frühlingshaft warm. Einige Male hatte es sogar geregnet. Einmal waren die Regenfälle am Vorabend so heftig gewesen, das der Bus am nächsten Tag bei der Fahrt in das Camp im Morast stecken blieb. Die Ärzte und Helfer mussten – einige Kisten mit Medikamenten als Gepäck – den Weg ins Dorf zu Fuß fortsetzen, aber es waren glücklicherweise nur noch 500 m zurückzulegen!

Die Dörfer, die in den nächsten Tagen aufgesucht wurden, befanden sich alle im Distrikt Puri. Alle lagen fernab jeglicher Infrastruktur, einige waren sehr schwer zu erreichen, buchstäblich „in the middle of nowhere“, wobei das „nowhere“ für den Dschungel steht.

In jedem Dorf wurden die angereisten Ärzte und Helfer herzlich begrüßt - es kam auch vor, dass die Dorfjugend Spalier stand - und im Rahmen eines feierlichen Rituals wurde das Camp eröffnet.

Eine Schultafel weist den Weg zur Apotheke

Eine Schultafel weist den Weg
zur Apotheke

Das dörfliche Schulgebäude diente in fast allen Fällen als „Ärztehaus“. Klassenräume wurden mit den einfachsten Mitteln in Sprechzimmer/Ordinationen verwandelt und eine kleine „Apotheke“ ergänzte das provisorische Hospital. Die freiwilligen Helfer in den Dörfern lösten zusammen alle auftretenden Schwierigkeiten umsichtig und schnell. In den Klassenräumen war es oft recht dunkel, sodass improvisiert werden musste. In einem Dorf waren zusätzlich einige Zelte aufgebaut worden, in der die Ärzte die Patienten empfingen. An den Eingängen zu den Sprechzimmern/Ordinationen wurden Schilder wie „Paediatrist“, „Gynecologist“ oder „Pathologist“ angebracht. Sehr schnell haben sich die angereisten Ärzte aus den USA und Indien mit den vorgefundenen Umständen zurechtgefunden und jeder machte das Beste daraus. Die Apotheke befand sich meistens in einem kleinen Lagerraum.

Zusammen mit einigen medizinischen Helfern ordnete der Apotheker geübt sein Sortiment an Tabletten, Suspensionen und Salben, die dann später entsprechend schnell an die Schlange stehenden Patienten ausgegeben werden konnten.

Der Ansturm

Die Pathologin stellt den Blutzucker fest

Die Pathologin stellt den
Blutzucker fest

Nachdem alle Mediziner und ihre Assistenten die Plätze eingenommen haben, setzte gegen 9 Uhr der Ansturm der Patienten ein. Jeder musste sich allerdings vorher registrieren lassen: Name, Alter und Geschlecht wurden auf einem Laufzettel notiert, den der Patient dem Arzt vorlegen musste.

In der „Pathologie“ wurde den älteren Patienten der Blutzuckerwert gemessen. (Dabei wurde leider oftmals festgestellt, dass von 60 Patienten etwa 10 einen erhöhten Blutzucker hatten.) Anschließend wurde der Blutdruck ermittelt. Bei Anomalien wurden die Patienten zu dem entsprechenden Spezialisten „überwiesen“.

Auch Blutdruckmessen gehört zur Diagnostik im Camp

Auch Blutdruckmessen gehört zur
Diagnostik im Camp

Der Laufzettel diente nun als Überweisung, darauf wurden auch später die Diagnose bzw. die verschriebenen Medikamente vermerkt, die in der Apotheke abzuholen waren. Patienten mit schwerem oder chronischem Leiden, wurden für eine weitere kostenfreie Behandlung in unser Gesundheitszentrum in Balighai bei Puri überwiesen. (Es liegt nicht in der Macht der Ärzte, ob sich die Patienten dort je blicken lassen, da die Anreise dorthin je nach Wohnort sehr beschwerlich sein kann oder einfach nicht möglich ist, da kein Geld für den Bus vorhanden ist).

In den nächsten Stunden hatte keiner der Ärzte und Helfer eine ruhige Minute. Jeden Tag wurden pro Camp bis zu 700 Menschen ärztlich behandelt, an einem Tag waren es mehr als 1000 in einem Camp! Auf diese Weise konnten während des ganzen Medical Yatra nahezu 12.000 Menschen aus 150 Dörfern medizinisch versorgt werden!

Ein alltäglicher Anblick im Dorf Lunahar

Ein alltäglicher Anblick
im Dorf Lunahar

Der Chronist sah sich währenddessen in dem jeweiligen Dorf um. In der ersten Reihe links und recht von der Dorfstraße standen meistens solide Steinhäuser, teilweise farbenfroh und mit religiösen Symbolen bemalt. In der zweiten und dritten Reihe fanden sich eher einfache Lehm- und Strohhütten. Die Bewohner waren in allen Fällen äußerst aufgeschlossen und bestanden darauf, eine Führung durch das Dorf zu machen. Als ein Ochsenkarren den Weg kreuzte, glaubte er in einer anderen Zeit zu sein. Überhaupt lebten die Leute hier unter einfachsten Bedingungen und viele wirkten trotzdem (oder deswegen?) fröhlich und unbeschwert. Die Armut in einigen der Dörfer war nichtsdestotrotz erschreckend. Das wenige Geld reicht nur für das Notwendigste. Fahrten in die nächst größere Stadt, um einen Arzt zu konsultieren, sind unmöglich, da nicht bezahlbar. Umso erfreuter war man also über die Gesundheitscamps.

Das Resümee

13 Ärzte und 15 medizinische Helfer aus den USA, 22 Ärzte und 15 Helfer aus der Region sowie unzählige Freiwillige sorgten dafür, dass denen geholfen werden konnte, die wenig haben und die in diesen Tage - trotz Krankheit - Freude und Zuversicht ausstrahlten. Häufigste gestellte Diagnosen waren Dengue-Fieber und Würmerbefall, was meistens an den schlechten Lebensbedingungen liegt. Einige Patienten, die die Camps aufsuchten – darunter auch Kinder – waren schwerkrank und benötigen dringend eine oder mehrere Operationen: so fehlten zum Beispiel zwei Babys der Anus und eine Frau hatte unbehandelten Brutkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Prajnana Mission, einige der amerikanischen Ärzte und Hand in Hand werden versuchen, für einige der ernsten Fälle die benötigten finanziellen Mittel aufzubringen!

Die Übersetzerinnen lassen es sich schmecken

Die Übersetzerinnen lassen
es sich schmecken

Nach jedem Camp gab es ein Essen, das im Dorf von Freiwilligen zubereitet wurde. Hier konnten sich Ärzte und Helfer bei traditioneller Küche unter Palmen austauschen. Interessierte konnten anschließend Ausflüge in die nähere Umgebung unternehmen, zum Beispiel ans Meer oder zum Sonnentempel in Konark.

Am letzten Tag wurde allen Teilnehmern von P. Prajnanananda – dem Präsidenten der Prajnana Mission – in einer feierlichen Zeremonie mit einer Urkunde für ihren selbstlosen Einsatz gedankt. Einer der amerikanischen Ärzte war so angetan von den vergangenen Tagen, dass er nach der Pensionierung nach Indien zurückkehren möchte, um dort als Chirurg für unsere Gesundheitszentren zu arbeiten!

Die Diashow vermittelt Ihnen einen Gesamteindruck vom Medical Yatra 2008.

Heiko Müller, Sekretär Hand in Hand


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